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BulgarienBulgarien: Aus dem Gefängnis zurück auf die »Balkanroute«

Als junger Mann zieht Ali D. in den Iran-Irak-Krieg: Töten für Allah. Völlig desillusioniert und angewidert von all den Eindrücken von Opfern, die Allah zu fordern scheint – darunter zahllose Frauen Kinder – kehrt er nach Hause zurück.

Es verfolgen ihn Albträume, und bald auch die Polizei. Denn Ali sucht Sinn und Glück im Geld, nimmt harte Drogen, dealt im grossen Stil, wird Waffenhändler und Auftragskiller. Er endet im Knast. 15 lange Jahre sitzt der Iraner für seine Verbrechen im Gefängnis; zuletzt in Bulgarien. Hinter Gittern lernt er Christus kennen. Dies ist der Wendepunkt in seinem Leben. Sein Leben bekommt einen Sinn, und Ali einen Auftrag. Er erzählt uns von seinem Engagement auf der Balkanroute:

»Ich bin aus dem Gefängnis entlassen worden und habe keine Ahnung, was ich jetzt machen soll. Da weist Gott mich darauf hin, dass Flüchtlinge nach Bulgarien kommen, die meine Muttersprache Farsi sprechen. Ich fange an, Flüchtlingscamps aufzusuchen. Vor den Toren von Camp Harmanli erzähle ich iranischen Flüchtlingen von Jesus. Ich will ihnen Bibeln schenken, doch sie lehnen ab: ›Im Camp leben viele Afghanen, die radikale Muslime sind‹, sagen sie. ›Die werden uns umbringen!‹

Ich bitte Gott um eine Lösung. Er erinnert mich daran, wie Jesus einige Tausend Menschen mit Brot und Fischen gesättigt hat. ›Gut, dann werde ich ihnen zu essen geben‹, beschliesse ich. Zuhause koche ich mit Freunden Mahlzeiten und bringe diese den Iranern nach Harmanli. Nicht lange, da bitten mich auch die Afghanen um Essen. Von da an kochen wir für 200 Personen. Die Mahlzeiten verteilen wir muslimischen Familien. Gott gibt uns den Schlüssel zu ihren Herzen: Liebe, die nichts zurückerwartet.

Mit einigen Christen versammeln wir uns jeweils in einem kleinen Raum zum Gebet. Eines Tages zeigt uns Gott, dass wir die Versammlung im Korridor abhalten sollen. Nach dem Essen reihen sich dort die Familien auf. Ich erzähle, wie ich durch Christus den Weg zum Leben fand. Sie sehen mich finster an, trauen sich aber nicht, dem ›Wohltäter‹ zu widersprechen. Zuletzt sage ich: ›Lasst uns beten!‹

Da verlieren sie die Beherrschung: ›Ihr seid Christen, wir Muslime!‹, rufen sie. ›Ihr seid seltsam‹, antworte ich. ›Wie viele Götter gibt es denn? Doch nur einen Gott. Glaubt ihr das etwa nicht? Ich werde jetzt im Namen des lebendigen Gottes beten. Und wenn ihr einverstanden seid, dann sagt am Schluss einfach Amen.‹

Schweigend neigen sie die Köpfe. Einige reichen sich sogar die Hände. Ich bete zum einzig lebendigen Gott, erzähle ihm von diesen Familien, wie sie die Heimat verlassen mussten, von ihren Nöten und Zukunftsängsten. Ich bitte Gott, sie auf ihrem weiteren Weg zu beschützen. Nach dem Amen höre ich ein vielstimmiges, deutliches ›Amen‹. Viele haben Tränen in den Augen.

Ein Herz ist wie ein Feld. An jenem Tag wurden in viele Herzen Samen gesät. Und als ich Jahre später einige dieser Flüchtlinge wiedertraf, erkannte ich: Daraus war Frucht entstanden.«