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dschibuti Report 2 2020 Dschibuti: »Allah’akbar Gott ist gross!«

Nicht ein muslimischer Prediger ruft diese Worte in die Runde, sondern der Leiter der Untergrundkirche, die sich am Freitagabend trifft.

Männer, Frauen und Kinder hocken auf dem Boden und preisen den Gott der Bibel. Ismael*, der ehemalige islamische Scheich, inzwischen zum christlichen Prediger gewandelt, ist jetzt nicht mehr aufzuhalten. Die Sprachbarriere hindert mich zwar, das Gesagte zu verstehen. Doch die leidenschaftliche Überzeugung, mit der er es herüberbringt, kann nur von der Gegenwart Gottes entfacht worden sein. Diese Gemeinschaft von jungen schutzlosen dschibutischen Christen ist durch die selbstlose, kontinuierliche Arbeit von Ismael und anderen Evangelisten ins Leben gerufen worden.

Sie gehen grosse Risiken ein, wenn sie sich treffen. Das wird mir während unserer Zusammenkunft klar: Plötzlich erhebt sich eine der Frauen und verlässt gehetzt den Raum. Es stellt sich anschliessend heraus, dass ihr muslimischer Ehemann sie auf den Verdacht hin, dass sie hier sein könnte, angerufen und ihr befohlen hat, unverzüglich nach Hause zu kommen.

Göttliche Ironie
Diese jungen Christen treffen sich in einem Gebäude, in dem während der Kolonialzeit Sklaven vor ihrer Verschiffung gefangen gehalten wurden. Dschibuti ist dazu strategisch günstig gelegen, umgeben von Somalia, Eritrea und Äthiopien, mit Zugang zum Roten Meer, das über eine kurze gefährliche Reise den Jemen und die gesamte arabische Halbinsel erschliesst. Ironischerweise ist es jetzt genau diese Lokalität, in der diese Christen ihre neu erlangte Freiheit in Jesus Christus feiern.

Vorstoss in die Höhle des Löwen
Wir treffen Pastor Josiah* in der Lobby unseres Hotels. Dort erörtern wir Möglichkeiten, wie die Gemeindearbeit inmitten ihres feindseligen Umfeldes vorangebracht werden kann. Sein bescheidenes, aber entschlossenes Auftreten beeindruckt uns Besucher. Um unser Verständnis zu wecken für das, was er im Untergrund plant, will er uns sein neustes Projekt zeigen. Doch nur schon dafür ist höchste Vorsicht geboten. Mit meinem offensichtlich afrikanischen Hintergrund erweise ich mich als der einzige unverdächtige Kandidat, ihn zu begleiten. Also bringt mich der Pastor in einen von der Scharia beherrschten Stadtteil, um mir das Lokal zu zeigen, welches die Gemeinde als ihre neue Ausbildungsstätte gemietet hat. Dort sollen Gemeindeglieder zu Jüngern geformt und für ihren evangelistischen Auftrag unter den dschibutischen Bürgern ausgebildet werden. Das Risiko, sich hier zweimal wöchentlich für Anbetung und Gemeinschaft zu treffen, wird in Kauf genommen.

Beten Sie mit uns für diese Untergrundkirche in Dschibuti – und für unser Anliegen, die unerreichten Stämme des Landes zu erreichen.

* Name geändert