May 16 2022

Eine andere Welt

NICARAGUA
Als wir das Schulgelände betraten, fühlten wir uns schlagartig in eine andere Welt versetzt. Über dem gesamten Areal liegt eine aussergewöhnliche friedliche Atmosphäre.

Mit Leidenschaft zum »Olympiasieg«
Mit viel Leidenschaft investiert Nehemías Nicargua in das Leben von Kindern und Jugendlichen. Sie erhalten in unseren beiden Schulen, den Colegios Cristianos Nehemías Masatepe und Santa Teresa, vom Kindergartenalter bis zur Hochschulreife eine herausragende Schul- und Herzensbildung. Ein Segen, der sie ihr Leben lang begleiten wird. Beide Schulen arbeiten auf sehr hohem Niveau, gehören zu den besten des Landes. Das wird immer wieder bestätigt an landesweiten sogenannten Olympiaden für die verschiedenen Fächer: Unsere Schulen belegen regelmäßig die vorderen Plätze.

Bildung als Kapitalanlage
Mir wird erneut bewusst, wie wichtig der Einsatz für die Bildung ist. Sie ist die effektivste und nachhaltigste Form der Entwicklungshilfe. Hier erhalten junge Menschen eine hochwertige Qualifikation. Sie werden geformt und in die Lage versetzt, ihr Leben selbst zu gestalten und aus dem Kreislauf von Armut und Elend auszubrechen. Die Investition in das Humankapital Bildung kann auch nicht »vom Rost zerfressen« oder »von Dieben gestohlen« werden. Dieser Aspekt klang immer wieder an in Gesprächen mit den Lehrern. Unsere Schulen bestehen schon seit über 20 Jahren und wachsen kontinuierlich. Im laufenden Schuljahr 2022 werden 1159 Kinder unterrichtet. So mancher junge Mensch hat unsere Schule inzwischen komplett durchlaufen und konnte danach, bestens vorbereitet, ein Studium erfolgreich absolvieren. Wir haben sogar fünf Lehrer, die einst unsere Schüler waren.

Willkommen im Schulparadies
Schon beim Betreten des Schulgeländes fühle ich mich in eine andere Welt versetzt: Herrliche, vielfältige Bepflanzung, Spielplätze und -flächen sowie schön gestaltete Schulhöfe, wie ich sie noch nie an einer Schule gesehen habe. Sie laden die Kinder zum Austoben, aber auch zum Entspannen ein. Auch die Gemeinschaft kommt nicht zu kurz. Über dem gesamten Areal liegt ein außergewöhnlicher Frieden. Gleichzeitig fällt die ausgelassene Fröhlichkeit der Kinder auf. Dies hier ist ein kleines Paradies.

Fahrrad als Schulbus
Wir nutzen die Gelegenheit, Zeit mit den Schülern zu verbringen und Gespräche mit den Lehrern zu führen. Wir lernen Cristofer kennen. Er besucht die 11. Klasse und kommt aus einer sehr armen Familie, die weit außerhalb von Masatepe wohnt. Kein Bus verirrt sich jemals dorthin. Wie kommen er und seine Schwester zur Schule? Zu Fuss wäre es viel zu weit. So hat Cristofer von Nehemías ein Fahrrad geschenkt bekommen. Damit radelt er täglich – mit seiner jüngeren Schwester auf dem Gepäckträger – zur Schule. Sandra besucht die 7. Klasse. Als wir dies hören, stimmen wir sofort zu, auch für sie ein Fahrrad zu kaufen.

Schule mit »Nebenwirkungen«
In Masatepe hören wir die bewegende Geschichte von Arlen, unserer Köchin. Ihr Sohn Jordi besuchte unsere Schule, erfuhr von Jesus und begann seinen Weg mit ihm. Das war ihr eigentlich nicht recht. Aber der Junge veränderte sich sehr zum Guten, und so liess sie ihn gewähren.

Jordi aber verstarb im Krankenhaus an der Behandlung mit einem falschen Medikament. Die verzweifelte Mutter fand zu Hause Jordis Bibel. Was sie darin las, berührte sie sehr. Sie kam zur Schule, um mit den Lehrern darüber zu reden. So kam es, dass auch Arlen Jesus annahm. Wir engagierten sie als Köchin. Sie kocht so gut, dass selbst die Kinder, die zu Hause essen könnten, zum Mittagessen lieber hierbleiben. Ausserdem hat sie ein Architekturstudium begonnen – Schule, die auch Eltern verändert.

Schule mit Selbstversorgung
Die Nehemías-Schulen versorgen sich teilweise selbst. Dazu dienen eine Landwirtschaft (Finca) und eine Schneiderei. Auf der Finca mit einer Fläche von vier Hektaren wird ein Grossteil dessen angebaut, was für die Schulküche benötigt wird. Die Produktpalette reicht von klassischem Gemüse wie Tomaten und Karotten bis hin zu exotischen Früchten wie Kochbananen, Ananas, Papaya oder Mango. Eine Schar glücklicher, freilaufender Hühner liefert die Eier. Die Schuluniformen werden in der schuleigenen Schneiderei unter tatkräftiger Mithilfe einiger Eltern hergestellt.

Schule mit Platzmangel
Beide Schulen sind aus gutem Grund sehr beliebt. Bereits haben wir Kinder bis an die Kapazitätsgrenze und darüber hinaus aufgenommen, sodass wir immer wieder Anfragen abweisen müssen.

Alle verfügbaren Räume werden genutzt. Bis zum 9. Schuljahr haben wir bislang zwei Parallelklassen geführt und ab dem 10. nur eine. Es ist aber absehbar, dass wir im nächsten Schuljahr auch zwei 10. Klassen führen müssen, wenn wir keine Schüler wegschicken wollen. Und das soll auf keinen Fall geschehen! Es würde Abiturienten treffen, die zum Teil schon seit ihrer Kindergartenzeit bei uns sind. Sie haben den berechtigten Wunsch auf den erstklassigen Abschluss, auf den sie ihr ganzes bisheriges Leben hingearbeitet haben.

So benötigen wir zwei weitere Klassenräume, die bis zum nächsten Schuljahr fertiggestellt sein müssten. Die Baukosten dafür betragen in Masatepe etwa 60 000 EUR.

Ein Bericht von Frank Göttel, Leiter Patenschaftsverwaltung



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