July 19 2022

Wenige Worte, starke Taten

JORDANIEN
Wenn das letzte bisschen Hoffnung unter einer Schneedecke zu erstarren droht, braucht es schnell handfeste Hilfe. Ein Schneesturm hatte über den Mittleren Osten gewütet. Eine 50 cm hohe Schneedecke lag auch über der Stadt, wo die von uns betreuten Flüchtlinge Zuflucht gefunden hatten.

Doppelte Partnerschaft
In Jordanien unterhalten wir eine Schule für 200 Flüchtlingskinder, eine Ausgabestelle für Lebensmittel, Medikamente und Kleidung.  Wir unterstützen eine christliche Partnergemeinde, die sich vorbildlich für Flüchtlinge aus den Kriegs- und Krisengebieten Iraks und Syriens einsetzt. Aus Sicherheitsgründen verzichten wir auf die Nennung der Stadt und der Gemeinde und ändern die Namen des Pastors und der Flüchtlinge.

Dieses Projekt führt AVC in Partnerschaft mit der Gemeinde CLW Bonn aus. Pastor Mario Wahnschaffe und Kameramann Leonard von Bibra sind Anfang Februar im Auftrag von AVC in den Mittleren Osten gereist.

Zwei Überlebenspakete
Die beiden besuchten den befreundeten Pastor Noor und dessen Gemeinde mit 500 Mitgliedern. Diese versorgt jede Woche 800 Familien, insgesamt 5000 Personen. Die Überlebenspakte enthalten hochwertige Lebensmittel, Medikamente, Vitamine, Corona-Hygiene-Artikel und Kleidung. Jedes Paket kostet 30 Dollar. Den monatlichen Betrag von 24 000 USD könnte die Gemeinde ohne unsere Hilfe nicht aufbringen.

Als der erwähnte Schneesturm das Land in Weiss hüllte, entschied sich unsere Partnergemeinde kurzerhand, die frierenden Flüchtlinge mit benzinbetriebenen Heizkörpern, Benzin und Decken zu versorgen. Die Spenden, von Pastor Mario persönlich überreicht, deckten die Kosten dafür. Pastor Noor lässt allen, die dazu beigetragen haben, ein herzliches Dankeschön ausrichten.

Die Gemeinde hat aber nicht nur das physische Überleben im Auge. Sie schnürt auch geistliche »Überlebenspakete«. Es liegt ihnen sehr daran, den oftmals schwer traumatisierten Flüchtlingen das Evangelium weiterzugeben. Das tun sie zunächst durch starke Taten der Nächsten-liebe. Unser Partner formuliert es so: »Wir predigen, indem wir Gutes tun und die Menschen lieben. Wir respektieren ihre Kultur und versuchen nicht, sie zu verändern. Aber wann immer jemand nachfragt oder Interesse zeigt, werden wir auch Worte der Hoffnung weitergeben.«

Doppelrolle
Unsere Partner in Jordanien verfolgen nicht nur besagte Strategie. Pastor Noor hat auch die Vision der Doppelrolle für die Gemeinde der Zukunft: »Gemeinde ist ein himmlisches Krankenhaus, in dem der Heilige Geist zerbrochene Herzen heilt und die Menschen praktische Hilfe empfangen. Gemeinde ist aber auch eine Stätte, wo geheilte Menschen gestärkt und für den Dienst vorbereitet werden, damit sie in ihre Heimatländer und zu anderen Nationen gehen können, um dort die Gute Nachricht Jesu weiterzugeben.«

Flüchtlingsschicksale
Die Begegnung mit Flüchtlingsfamilien war das Eindrücklichste dieser Reise.

Ali berichtete, wie der IS ihn entführt und zweier Jahre gefoltert hatte. Traumatisiert kehrte er zu seiner Familie zurück, verfiel dem Alkohol und fing an, seine Frau und seine Kinder zu schlagen. In unserem Ausgabepoint fanden er und seine Familie zu einem lebendigen Glauben an Jesus Christus und empfingen Heilung. Ali wurde von seiner Sucht befreit. Nun ist er einer der leitenden Mitarbeiter in der Lebensmittelausgabe der Gemeinde.

Mohammad und Ayse wurden von Terroristen aus ihrem Haus und aus ihrer Heimat vertrieben. Sie kamen ohne Hoffnung in ein neues Land und fanden durch die Liebe und Hilfsbereitschaft der Gemeinde zum Glauben an Jesus Christus.

Sam (9 Jahre) und Nadja (12 Jahre) stammen aus dem Irak. Ihre Familie musste die Heimat fluchtartig verlassen und in einem fremden Land leben. Der Vater kam damit nicht zurecht. Er verließ tragischerweise die Familie. In dieser Zeit fanden die Mutter, Sam und Nadja durch die christliche Schule und durch die Lebensmittelausgabe in eine lebendige Beziehung zu Jesus. Nadja tröstet ihre Mama und sagt zu ihr: »Wir haben unseren Papa verloren, aber unseren liebenden himmlischen Vater gefunden.«

Die Begegnung mit Sam und Nadja hat uns am tiefsten berührt. Ihre Erlebnisse führen vor Augen, warum wir diese Arbeit im Mittleren Osten tun. Taten helfen Menschen, die Barmherzigkeit und die Liebe Gottes zu erkennen. Und die Beziehung zu Jesus gibt ihnen die Kraft, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten und zu überwinden.

Wortgewaltig
Aber auch Worte haben ihren Platz. So konnte Pastor Mario vor 200 Flüchtlingen und in voll besetzten Gottesdiensten predigen. Zudem führte er ein Leitertraining für die Mitarbeitenden und Verantwortlichen der Lebensmittelausgabe durch. Während der Versammlungen wirkte Gott stark: Viele Menschen entschieden sich für Jesus, einige erfuhren körperliche Heilungen. Eine Besucherin zum Beispiel war – nachdem sie den Bericht aus der Bibel über jene Frau gehört hatte, die durch eine Berührung von Jesus geheilt worden war – plötzlich völlig frei von schrecklichen Rückenschmerzen.

 







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