19. September 2026

Ansteckender Glaube in der Wüste

TSCHAD
Von den weltweit über 4485 noch unerreichten Volksgruppen leben 91 im Tschad. Hier trainiert und vernetzt AVC Gemeindegründer für die entlegensten Regionen des Landes.

Neben Französisch und Arabisch werden im Tschad rund 144 verschiedene Sprachen und Dialekte gesprochen. Hinzu kommen die extreme Trockenheit weiter Wüstengebiete und die oft erdrückende Hitze. Unter diesen Bedingungen ist die Verbreitung des Evangeliums eine grosse Herausforderung. Dennoch sind mehrere tschadische Organisationen mit Hunderten Evangelisten und Missionaren dem Ruf gefolgt und haben beschlossen, aktiv zu werden. Einige stammen selbst aus muslimischem Umfeld und zeichnen sich durch eine bemerkenswerte Hingabe und ein glaubwürdiges, ansteckendes Zeugnis aus.

Unterwegs mit Nomaden

So auch Mahmoud*, ein Evangelist, dem Jesus in einem Traum begegnet ist. Als ehemaliger Muslim schreckt er nicht davor zurück, Nomadenstämme über viele Kilometer zu begleiten, um ihnen die Liebe Gottes weiterzugeben. Er besitzt eine besondere Gabe der Versöhnung und wird häufig als Vermittler in interreligiösen Konflikten hinzugezogen. Sein Glaube wirkt ansteckend. Immer wieder entscheiden sich Menschen, Christus nachzufolgen und sich taufen zu lassen.

Herausforderungen des Glaubenswechsels
Der Tschad verfügt zwar über eine säkulare Verfassung und die Religionszugehörigkeit wird nicht in offiziellen Dokumenten erfasst. Dennoch kann ein Glaubenswechsel grosse Gefahren mit sich bringen – besonders innerhalb muslimischer Familien. So berichtet Mahmoud von einem jungen Mann, der seinen Eltern von seinem neuen Glauben erzählte, obwohl ihm der Evangelist davon abgeraten hatte. Der Konvertit wurde schwer misshandelt und anschliessend inhaftiert. Mahmoud griff zum Telefon, kontaktierte den zuständigen Polizisten und forderte ihn mutig auf, den jungen Mann innerhalb von 30 Minuten freizulassen. 27 Minuten später kam die Bestätigung: Der Gefangene war frei.

Segensreiche Erdnüsse
Um nicht von ausländischer Unterstützung abhängig zu sein, entscheiden sich manche Missionare, durch Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt zu sichern. Hiob*, ein ausgebildeter Theologe, bat einen Dorfvorsteher um ein Stück Land, um Erdnüsse anzubauen. Nach einer erfolgreichen ersten Ernte verkaufte er einen Teil und verschenkte den Rest, damit seine Nachbarn eigenes Saatgut gewinnen konnten. Im zweiten Jahr nahm er sich vor, einen ganzen Hektar zu bewirtschaften. Als sein Sohn fragte, wie sie das ohne Zugtiere schaffen sollten, fand Hiob eine kreative Lösung: Er band seinen Pflug an ein Motorrad. Der Sohn lenkte das Fahrzeug, während Hiob pflügte. Mit nur fünf Litern Benzin war die Arbeit getan. Die Ernte brachte rund hundert Säcke ein. Hiobs Einfallsreichtum beeindruckte das ganze Dorf – und verlieh auch seiner Botschaft grosses Gewicht.

Einheit tut Not
Solche Geschichten gibt es viele. Doch die Zahl der mutigen Arbeiter reicht bei Weitem nicht für alle unerreichten Regionen. Deshalb hat AVC begonnen, Missionare im Osten und Norden des Landes zu mobilisieren, auszubilden und miteinander zu vernetzen. Im Juni dieses Jahres fand in Abéché erstmals eine Konferenz statt, an der 125 Evangelisten aus verschiedenen Denominationen teilnahmen – eine bedeutende Premiere.

Lokale Verantwortliche ermutigten dazu, diesen Weg weiterzugehen, da die Christen im Tschad oft durch konfessionelle Spannungen und unterschiedliche Visionen getrennt sind. Nicht selten werden andere Christen als Konkurrenten wahrgenommen. Doch diese Haltung verstellt den Blick für das gemeinsame Ziel. Während der Konferenz begann sich etwas zu verändern: Man schlief Seite an Seite auf denselben Matten, ass gemeinsam aus der gleichen Schüssel und sang miteinander die gleichen Lieder. Schritt für Schritt begannen Barrieren zu fallen. Gott wirkte in dieser Zeit auf besondere Weise, schenkte körperliche Heilungen und tiefgehende Veränderungen. Ein Ehepaar, die Vollzeitmissionare Annabi* und Debora*, berichtet: «Als wir ankamen, waren wir ausgelaugt und erschöpft. Unseren Dienst vor Ort konnten wir nicht mehr so ausüben, wie es eigentlich sein sollte. Die Konferenz hat uns sehr ermutigt. Wir haben neue Kraft empfangen, um weiterzuarbeiten und die Unerreichten zu erreichen.»

* Namen geändert



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