
«Wer, wenn nicht wir?»
AVCreport: Welche Entwicklung beobachtet ihr in der muslimischen Gesellschaft Südostasiens?
Markus (Missionsleiter): Die muslimische Gesellschaft in Südostasien ist sehr vielfältig und unterscheidet sich stark vom arabischen Islam. In Indonesien erleben wir oft Offenheit, während Regionen wie Malaysia oder Sumatra konservativer geprägt sind. Hier sind Gespräche über den Glauben schwieriger. Gleichzeitig sehen wir eine bemerkenswerte Entwicklung: Viele Muslime wenden sich Christus zu. Das zeigt, dass es viele offene Türen für das Evangelium gibt.
Rahmat* (Mitarbeiter): Wir leben in einer Zeit, in der praktisch jeder über das Handy Zugang zum Internet hat. Besonders die jüngere Generation wird neugierig, stellt Fragen und sucht offen nach Wahrheit.
Woher kommt eure Leidenschaft, Muslime zu erreichen?
Rahmat: Ich bin in einer gemischten Nachbarschaft aufgewachsen, traf in der Kirche aber kaum Malaien. Als ich erfuhr, dass es gesetzlich verboten ist, ihnen das Evangelium weiterzugeben, wuchs in mir die Leidenschaft, dass auch sie zu Christus finden. Als ich mit 14 Jahren einem verfolgten malaysischen Pastor begegnete, wurde mir klar: Auch Muslime können Jesus nachfolgen.
Markus: Meine Leidenschaft entstand durch die Auseinandersetzung mit dem Islam. Als Teenager las ich Bücher, die den christlichen Glauben kritisierten. Dabei wurde mir bewusst, wie stark zentrale Aussagen des Evangeliums verzerrt werden und wie wenig Muslime die biblische Botschaft verstehen. Wenn wir ihnen die Botschaft von Christus nicht bringen, wer dann?
Warum habt ihr euch dieser Mission angeschlossen?
Markus: Mein Weg begann in den 90er-Jahren mit Online-Kontakten zu Muslimen über die Plattform «Answering Islam». Daraus entwickelte sich ein Dienst, der das Evangelium gezielt über das Internet zugänglich macht. Der Schritt in die heutige Mission war eine natürliche Weiterentwicklung.
Rahmat: Ich spürte früh eine Berufung, musste aber sieben Jahre warten. In dieser Zeit hat Gott mich vorbereitet: In einem Internat lebte ich eng mit malaysischen Mitschülern zusammen und lernte, natürlich mit ihnen zu kommunizieren. Dann öffneten sich Türen und ich kam zu dieser Missionsarbeit.
Was ist für euch besonders herausfordernd?
Rahmat: Am meisten schmerzt mich Uneinigkeit unter Christen – zwischen Einzelnen, Gemeinden oder Organisationen. Solche Spannungen behindern oft die Missionsarbeit.
Markus: Besonders herausfordernd ist für mich die Suche nach einem Nachfolger. Mehrfach sind vielversprechende Mitarbeitende kurz vor dem Einstieg abgesprungen, oft aus Angst vor Konsequenzen im persönlichen Umfeld.
Welche Momente schätzt ihr am meisten?
Markus: Ich schätze es sehr, zu sehen, wie Menschen auf unsere Online-Inhalte reagieren – besonders, wenn sie das Evangelium in ihrer Muttersprache hören, etwa auf Malaiisch, Indonesisch, Urdu, Hindi oder Tagalog.
Rahmat: Am meisten liebe ich die Begegnungen mit Muslimen – Zeit mit ihnen zu verbringen, Freundschaft zu leben und Gelegenheiten zu finden, von Christus zu erzählen.
Erlebt ihr Bedrohungen oder Angst?
Markus: Drohungen gehören dazu, vor allem durch feindselige Reaktionen auf unsere Inhalte. Dennoch ist die Angst heute geringer als früher, als Christen für die Verkündigung des Evangeliums verhaftet wurden. Ich vertraue darauf, dass Gott uns schützt.
Rahmat: Direkte Bedrohungen habe ich kaum erlebt, aber einmal mussten wir ein Teammitglied vor Verfolgern in Sicherheit bringen. Meine grösste Herausforderung ist jedoch die innere Frage, ob ich genug tue und wirklich im Willen Gottes bin.
Was liegt Jesus für Südostasien am Herzen?
Rahmat: Jesus sieht die Menschen mit Mitgefühl – als Schafe ohne Hirten. Viele empfinden Muslime als Bedrohung. Ich habe gelernt, sie mit Jesu Augen zu sehen: als Menschen, die bedrängt und orientierungslos sind. Dieses mitfühlende Herz prägt mein Gebet.
Markus: Muslime sind die grösste unerreichte Volksgruppe in Südostasien. Ich glaube, Jesu Herz gilt diesen Unerreichten, die von der Kirche lange vernachlässigt wurden und deren Bedarf an Erlösung oft übersehen worden ist.
Worin erkennt ihr das Herz Gottes in eurer Arbeit?
Markus: Ich sehe es darin, wie Gott Menschen zusammenführt – Partner, Gemeinden und Mitarbeitende – und immer wieder neue Unterstützer und Kollegen zu uns führt.
Rahmat: Für mich zeigt sich Gottes Herz persönlich: In meinem Leben und in meiner Familie sehe ich seine Gnade immer wieder – selbst dann, wenn ich kurz davor war, falsche Wege zu gehen.
Was möchtet ihr Christen im Westen mitgeben?
Markus: Unser Missionsfeld ist riesig. Es braucht viele lokale Mitarbeitende, die sich ganz dafür einsetzen. Bitte betet für uns und unterstützt uns: geistlich, emotional und finanziell.
Rahmat: Durch Migration haben viele Muslime heute im Westen eine neue Heimat gefunden. Damit ergibt sich eine besondere Chance: Menschen, die früher schwer erreichbar waren, sind jetzt direkt vor eurer Haustür. Nutzt diese Gelegenheit, seht sie als Menschen, die Gottes Gnade brauchen, und teilt die Liebe Christi mit ihnen.
* Name geändert



