26. September 2026

Ganzheitlich dienen

NEPAL
Menschen körperlich, seelisch, sozial und geistlich begegnen: Diese Vision prägt den Dienst unseres Partners Pastor Yeshe* und seines Netzwerks unter den Nepal-Tibetern.

«Die Nepal-Tibeter erwarten, dass wir ihnen auch sozialdiakonisch helfen und sie unterstützen – und nicht einfach nur mit schönen Worten über Jesus», sagt Yeshe*. Wie diese Vision konkret aussieht, zeigt sich bereits in seinem eigenen Zuhause. Vor drei Jahren adoptierten er und seine Frau Nima* den damals zweijährigen Kunga. Sein Vater ist unbekannt, seine Mutter verstiess ihn nach der Geburt. Zunächst lebte er bei seiner Grossmutter. Danach zog er von Haus zu Haus, bettelte um Essen und schlief dort, wo man ihn aufnahm.

Als Yeshe und Nima ihn zu sich holten, benahm sich Kunga wie ein verwildertes Kind. Heute ist er ein aufgeweckter, fröhlicher Junge. Er spricht sehr gut Englisch und besucht inzwischen die erste Klasse. Unter der liebevollen Fürsorge seiner Adoptiveltern hat er eine beeindruckende Entwicklung durchgemacht.

Geisterglaube – wie entrinnen?
Ganzheitliche Hilfe bedeutet für Yeshe jedoch nicht nur praktische Unterstützung. Der Glaube der Nepal-Tibeter ist eine Mischung aus Buddhismus, Animismus und Schamanismus. Viele Menschen leiden unter dämonischen Belastungen. Deshalb gehört der Befreiungsdienst für Pastor Yeshe und sein Netzwerk von Gemeindeleitern zum Alltag.

Manchmal widersetzen sich die unreinen Geister jedoch und sagen: «Wir sind schon so lange in diesem Menschen – wir bleiben hier.» Doch Yeshe und seine Mitarbeitenden sind sich ihrer Autorität in Jesus bewusst. Spätestens nach einigen Sitzungen müssen die Dämonen ihren «Wirt» verlassen.

Endlich frei!
So geschah es auch bei einer Frau, die während des Lobpreises in Yeshes Gemeinde plötzlich laut schrie und fluchte. Während die Gemeinde weitersang, betete das Leitungsteam für sie und gebot den Geistern, sie zu verlassen. Schliesslich beruhigte sich die Frau. Nach dem Gottesdienst wurde die Erstbesucherin herzlich willkommen geheissen. Sie war offensichtlich frei und strahlte über das ganze Gesicht.

Die Frau wusste um ihre dämonischen Belastungen. Bereits buddhistische Mönche und schamanische Rituale hatten vergeblich versucht, ihr zu helfen. Schliesslich erhielt sie den Rat, einmal einen christlichen Gottesdienst zu besuchen. Eine Bekannte nahm sie mit. Nach ihrer Freisetzung lud das Leitungsteam sie ein wiederzukommen, um gemeinsam zu beten und allfälligen weiteren Dämonen die Tür zu weisen.

Ebenso erklärten sie ihr die Bedeutung einer persönlichen Entscheidung für Jesus. «Wenn der Heilige Geist den frei gewordenen Platz nicht einnimmt, kommen die Geister zurück, und der Mensch ist schlimmer dran als vorher», fasst Yeshe seine biblisch begründete und durch viele Erfahrungen bestätigte Überzeugung zusammen.

Angst vor der Rache
Der Geisterglaube prägt jedoch nicht nur das geistliche, sondern auch das gesellschaftliche Leben. Kommt jemand aus einem Bergdorf zum Glauben an Jesus, wird er oder sie nicht selten vertrieben. Viele Dorfbewohner befürchten, Buddha und die Geister würden sich rächen und das ganze Dorf verfluchen. Stirbt nach einer Bekehrung jemand im Dorf, machen sie oft den Christen oder den beteiligten Pastor für das Unglück verantwortlich.

In solchen Fällen steht sogar das Gesetz teilweise auf der Seite der Verfolger. Ein Pastor aus Yeshes Umfeld sitzt seit über 20 Jahren im Gefängnis, weil nach der Bekehrung einer Person jemand verstorben war. Yeshe unterstützt heute dessen zwei Kinder. Wer sich Jesus zuwendet, braucht deshalb häufig ganz praktische Hilfe: finanzielle Unterstützung, ein neues Zuhause oder eine neue Arbeitsstelle. Gerade dieses ganzheitliche Dienen öffnet wiederum anderen Menschen die Augen für die Liebe Gottes und macht das Evangelium greifbar.

* Namen geändert



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