08. Juni 2026

Helfen und beten zwischen Bomben

LIBANON
Georges ist seit 18 Jahren im Libanon tätig und leitet eine Gemeinde in Beirut. Bei seinem kürzlichen Besuch in der Schweiz berichtete unser langjähriger Partner über die aktuelle Lage in seinem Land.

AVCreport: In welcher Situation befindet sich aktuell der Libanon?
Georges:
Der Libanon hat in den vergangenen Jahren viele Krisen und Erschütterungen durchgemacht. Und nun sind wir durch die terroristischen Aktivitäten der Hisbollah in diesen grossen Krieg zwischen dem Iran, Israel und den USA hineingezogen worden. Dieser Konflikt begann bereits vor einigen Jahren und flammt nach einer kurzen Pause nun erneut auf. Sehr viele Menschen haben Angehörige und ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Die Situation ist äusserst belastend.

Wie helft ihr darin als Gemeinde?
Im Süden des Landes will Israel eine Pufferzone einrichten. Dies hat mehr als 1,2 Millionen Vertriebene zur Folge. Allein aus den südlichen Vororten von Beirut sind rund 400’000 Menschen geflüchtet. Die Lage im Land ist sehr chaotisch. Viele kamen in unsere Gegend, weil es hier vergleichsweise sicherer ist. Als Gemeinde versuchen wir, diesen schutzbedürftigen und notleidenden Menschen praktisch zu helfen, sie zu ermutigen, mit ihnen zu beten, ihnen Fürsorge und Liebe entgegenzubringen und von Jesus zu erzählen.

Wie erreicht ihr die Vertriebenen?
Unsere Teams suchen die Menschen aktiv auf und gehen auf sie zu – zum Beispiel in einem Schulhaus, in dem 40 bis 50 Familien untergebracht sind. Wir versorgen sie mit Lebensmitteln und warmen Mahlzeiten und bringen ihnen Matratzen, Decken, Medikamente und Windeln. An einigen Orten haben wir auch Zentren eingerichtet, wo die Menschen duschen und ihre Kleider waschen können.

Wie reagieren die Menschen auf eure Hilfe?
Eine Begebenheit, wie sie sich derzeit immer wieder ereignet, ist diese: Vor nicht allzu langer Zeit gab es einen Mann, der sein Zuhause verloren hatte – sein Haus wurde durch eine Bombe vollständig zerstört. Er arbeitete nicht weit von unserer Kirche entfernt. Also nahm ich Kontakt zu ihm auf und brachte ihm, seiner Frau und seinen Kindern Matratzen, Decken, einen Tisch und Stühle für das leere Zimmer, das sie gemietet hatten. Er war zutiefst bewegt und sagte mir: «Nicht einmal meine eigenen Leute haben mir geholfen. Doch du, der du einer anderen Religion angehörst, hast mir geholfen. Ich möchte gerne deine Kirche besuchen.» Und tatsächlich kam er. Ich bat ihn, kurz vor der Gemeinde zu sprechen. Das tat er und erzählte, wie sehr ihn unsere Hilfe berührt hatte.

Wie verkraftet ihr die Situation als Gemeinde?
Den ganzen Tag hören wir Drohnen über unseren Köpfen fliegen. Nachts kreisen Flugzeuge, und es fallen Bomben. Unsere Gemeinde liegt nicht weit entfernt von den Gebieten, die von Luftangriffen getroffen werden – in gerader Linie weniger als ein Kilometer. Manchmal, wenn wir uns in der Kirche versammeln, gibt es starke und sehr laute Detonationen, und das Gebäude bebt. Im Libanon gibt es Kräfte, die eine Agenda verfolgen, die sich gegen Gott richtet. Dadurch entsteht enorm viel Chaos. Wir beten, dass der Feind Gottes im Libanon vollständig besiegt wird. Gleichzeitig sehen wir darin auch eine Gelegenheit, mitten im Geschehen ein Licht zu sein. Ich glaube, dass wir gegen den Geist der Finsternis kämpfen, wenn wir im bombardierten Gebiet beten und das Wort Gottes verkünden.

Wie können wir euch helfen?
Für die finanzielle Hilfe, die wir von AVC erhalten, um den Vertriebenen beizustehen, sind wir von Herzen dankbar. Dadurch öffnen sich Türen, um das Evangelium weiterzugeben. Ebenso dankbar sind wir für Gebet. Besonders in den vergangenen sieben Jahren hat die libanesische Bevölkerung viel Leid erlebt – und es wird zunehmend schwerer. Bitte betet um Frieden für unser Land. Und um Schutz für die Christen, damit sie in dieser Situation ein Licht für jene sein können, die in Not sind und Jesus noch nicht kennen. Wir brauchen viel Gnade, um das zu tun, was Gott in dieser Zeit von uns verlangt.



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