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R2020 4SibirienBulgarien / Serbien: Einer von ihnen

Er ist Iraner, war Verbrecher der schlimmsten Sorte. In einem bulgarischen Knast stellt Jesus sein Leben auf den Kopf. Heute bringt Ali Dini in Flüchtlingscamps in Bulgarien und Serbien seinen Glauben unter die Leute.

Ali, auf was für Leute triffst du in den Flüchtlingscamps?

Sie kommen aus dem Iran, Irak, Pakistan, Afghanistan, Syrien, Indien etc. Die Fluchtgründe reichen von Todesangst bis zur Suche nach Wohlstand im Westen. Die Realität holt sie rasch ein: Sie geraten in die Hände von Schleppern oder der afghanischen Mafia auf der Balkanroute. Die Geschichten von Prügel, Raub, sexuellem Missbrauch, die ich aus erster Hand zu hören bekomme, sind herzzerreissend.

Du bringst ihnen praktische Hilfe und Hoffnung im Multipack – wie packst du das an?
Überfüllte Flüchtlingscamps überfordern alle. Deshalb treten wir immer in Kontakt mit den Verantwortlichen und bieten unsere Hilfe an. Diese erkennen, was unsere regelmässigen Besuche auslösen: Hoffnung, Aufmerksamkeit für Verzweifelte, Abbau von Konfliktpotenzial. Dank AVC und örtlichen Christen können wir Flüchtlinge oft mit dem Nötigsten versorgen. Das führt zu Gesprächen über unseren Glauben – auch, dass ich als Iraner und Ex-Muslim jetzt Christ bin. Sie spüren, ich bin einer von ihnen, kenne ihre Spannungsfelder und Ängste rund um Krieg, Waffen und Gewalt.

Du hast also überall offene Türen?
In manchen Camps bin ich willkommen, in anderen nicht. In letzteren treffe ich die Leute ausserhalb. Ich halte mich an die Vorschriften. Das Militär überwacht die Camps, bewaffnet und teils mit Hubschraubern. Die umliegenden Einkaufsläden sind tabu. Familien mit Kleinkindern fehlt es an Windeln und Babynahrung. Die zunehmend dramatischen Zustände und Hoffnungslosigkeit lösen Nachdenken und Fragen aus.

Erlebst du es oft, dass sich jemand für Jesus entscheidet?
Der Islam kennt nur Gewalt und Zwang. Als ich Christ wurde, erlebte ich erstmals Liebe, Annahme und Frieden. Das gebe ich weiter. Die anfängliche Skepsis von Muslimen schmilzt. Das Angebot, für sie zu beten, nehmen die meisten an. Sie spüren Gottes Gegenwart. Manche kriegen Gänsehaut, andere weinen, wenn der Heilige Geist sie berührt. Sie lesen in der Bibel. Einige lassen sich taufen. Die einen finden Anschluss in westlichen Gemeinden. Andere, die in ihr Land zurückkehren müssen, bringen wir in Kontakt mit lokalen Christen. Ihr Risiko ist gross – nicht alle halten dem Druck stand.

Wie gehst du mit diesen traurigen Geschichten um?
Meine Vergangenheit legt nahe, dass ich abgehärtet bin. Doch wenn ich diesen Menschen begegne, muss ich oft innerlich weinen. Mir bleibt nichts, als sie mit Gottes Liebe vertraut zu machen. Die Entscheidung liegt bei ihnen. Auch das Risiko. Ein Afghane zum Beispiel weigerte sich in Bosnien gegenüber Landsleuten, seinem neuen Glauben abzusagen und zahlte mit seinem Leben.

Was liegt dir auf dem Herzen für uns Christen in der freien Welt?
Dass ihr standhaft bleibt. Druck gehört dazu. Materielles kann man uns nehmen, tief verwurzelten Glauben in Jesus und ewige Hoffnung aber nicht.