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Suedsudan: KnochenjobSüdsudan: Knochenjob

Ich* berichte von einem einzigartigen Erlebnis, das mich in meinem Wunsch bestärkt hat, Missionar im Südsudan zu werden. Als Missionsaspirant streifte ich mit dem Länderbeauftragten von AVC und mit Pastor B., dem örtlichen Projektleiter, durch den Südsudan.

Erste Eindrücke
»Das ‚Einfache’ ist getan. Bleibt noch die Knochenarbeit.« Mit dem ersten Teil dieser Aussage deutet Pastor B. an, die einfach zu erreichenden Volksgruppen im Südsudan seien bereits erreicht. Die »Knochenarbeit« bezieht er auf die schwer zugänglichen Stämme. Schwer zugänglich wegen ihrer spezifischen Kultur und/oder der abgeschiedenen Lage ihrer Stammesgebiete. Unser Erkundungstrip gilt den jungen Gemeinden unter neu erreichten Volksgruppen. Wir sind unterwegs, um diesen Christen und Evangelisten Mut zu machen. Jeden Tag besuchen wir eine Gemeinde, und an jedem dieser Orte staune ich über Gottes Wirken: Menschen geben ihr Leben Jesus; weitere Gemeinden entstehen.

Kein Preis zu hoch
Ich bin gleichermassen begeistert wie beeindruckt. Beeindruckt von den grossen Opfern, die hinter diesen Aufbrüchen stecken. Die Evangelisten müssen ihre Familien oft über Monate zurücklassen, um unerreichten Menschen die gute Nachricht zu bringen. Wenn die Lage vor Ort und die Finanzen es erlauben, kann die Familie nachziehen. Ein Evangelist gründete eine Gemeinde in einem rein muslimischen Dorf, wo alle vorherigen Versuche gescheitert waren. Er bemühte sich, Freundschaften zu schliessen, machte Hausbesuche, erzählte, wo es möglich war, von Jesus. Scheinbar vergeblich. Volle vier Jahre lang konnte sich niemand dazu entschliessen, Jesus nachzufolgen, doch der Evangelist gab nicht auf. Seit ein paar Monaten nun ein Silberstreifen am Horizont: Es ist eine kleine Gemeinde entstanden. Bei unserem Besuch sitzen weitere Muslime im Gottesdienst, die ernsthaft überlegen, sich für Jesus zu entscheiden. In einem anderen Dorf wandten sich ein paar Männer aus einer streng traditionsgebundenen Gruppe Jesus zu. Verärgert beschlossen andere, sich am Evangelisten zu rächen. Er wurde später, mit einer Machete aufs Übelste zugerichtet, aufgefunden. Es dauerte einen ganzen Tag, bis ein Fahrzeug kam, um ihn ins nächste Krankenhaus zu bringen.

Ein Geschmack von Erde
In jedem Dorf begegnen wir denselben Notlagen: »Wir haben keine Schule und keine Klinik.« Fast überall mangelt es auch an sauberem Wasser. Einmal stellte uns eine Frau einen leicht getönten Drink auf den Tisch. »Tee«, dachte ich spontan. Tatsächlich entpuppte es sich als erdiges Wasser. Wasser, Tee, Kaffee – alles schmeckt hier nach Erde. Es gibt viel zu tun im Südsudan. Ich will mit anpacken.

*Missionsaspirant