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Zentralasien: Levi und Co.

Unsere Missionare gründen Gemeinden und führen Jüngerschaftsprogramme durch für Flüchtlinge - teils unter schwierigsten Lebensbedingungen.

Die Leute, mit denen wir hier arbeiten, sind meist in schwierigste Lebensumstände verstrickt. Die daraus resultierende Verzweiflung macht sie offen für Begegnungen mit Jesus.
Kürzlich haben wir ein Training für Christen aus einem fanatisch muslimischen Land durchgeführt, aus Sicherheitsgründen in einem Nachbarstaat. Weil einige der Teilnehmenden schon ein Jahr zuvor eine Schulung besucht hatten, können wir diesmal einen unglaublichen Vorher-Nachher-Effekt in Sachen geistlichem Wachstum beobachten. Was sie uns zu berichten haben, erinnert uns an den Zollbeamten Levi und andere Zeitgenossen von Jesus, deren Leben auf drastische Weise umgekrempelt worden sind. 

Draufgängerischer »Petrus« 
Zafar* haben wir vor zwei Jahren kennen gelernt. Er hat eine brennende Liebe zu Jesus und entwickelt einen Feuereifer, wenn er mit anderen Menschen über diesen redet. Ähnlich dem lautstärksten aller Jünger von Jesus. Uns war klar: Solche Leute unterstützen wir. Also investierten wir einen kleineren finanziellen Beitrag – den grössten steuerte Zafar selbst bei -, damit er sich eine kleine Firma kaufen konnte. Seither hat er den Freiraum, seine Zeit selbst einzuteilen und viel davon für seine evangelistische Tätigkeit einzusetzen. Zahlreiche Teilnehmer des aktuellen Schulungszyklus sind »Früchtchen« aus seinem unermüdlichen Einsatz.

Korrupter »Zachäus« 
Omid* ist einer von denen, die Zafar zu Jesus geführt hat. Omid hatte seinen Einfluss als Stammesführer schamlos genutzt, um Nachbarn ohne Gegenleistung um ihr Land zu bringen und sich dieses unter den Nagel zu reissen. Er war berüchtigt und gefürchtet wegen seiner Gewalttätigkeit – unter anderem auch gegenüber seinen Kindern, die er oft verdrosch. Doch dann kam er mit Jesus in Berührung, besuchte unser letztjähriges Training und fasste den Vorsatz, sich an Jesus ein Vorbild zu nehmen. 

Was daraus geworden ist, fasziniert uns anhand seiner Erfahrungsberichte am diesjährigen Training: Omid hat eines seiner Häuser verkauft und mit dem Erlös diejenigen entschädigt, deren Land er früher unrechtmässig konfisziert hatte. Und weil er den Kontakt zu einigen der Bestohlenen verloren hatte, reiste er eigens in die Hauptstadt, um deren neue Adressen ausfindig zu machen. Nicht nur gestohlenes Land hat er inzwischen ersetzt – auch gestohlene Würde, wie seine Töchter erleichtert bezeugen: »Er schlägt uns nicht mehr!«

Das Ehepaar mit »Zachäus-Allüren« 
Ali und Maryam* leben in einem abgelegenen Dorf. Als Student erhielt Ali einmal im Verlauf eines Traums die klare Anweisung, die Bibliothek aufzusuchen. Gleich am folgenden Tag ging er hin, stöberte herum und bekam ein Buch in die Hände, in dem von Jesus die Rede war. Das entfachte seine Neugier, worauf er im Internet herumsurfte, bis er auf eine Online-Bibel stiess. Später kam er in Kontakt mit einer unserer Gemeinden und übergab sein Leben Jesus. 
An unserem Jüngerschaftskurs, an dem er zusammen mit seiner Frau teilgenommen hat, erkennen wir rasch, dass beide ein Riesenpotenzial haben, Leiter zu werden. Beide beteiligen sich an einer Internetschulung. Was nicht ganz einfach ist, weil die Internetverbindung in ihrem Dorf sehr viel zu wünschen übriglässt. So sind sie gezwungen, es dem biblischen Zollbeamten Zachäus gleichzutun, der in Ermangelung einer angemessenen Körperstatur gezwungen war, auf einen Baum zu steigen, um einen Blick auf Jesus zu erhaschen. Mit dem Unterschied, dass sich Ali und Maryam statt auf Bäume zu bestimmten Uhrzeiten an ihrer Hausecke auf Stühle stellen, um mit ihrem Mobile Signale des Nachbarhauses einzufangen. Trotzdem haben sie bisher noch keine Schulungslektion verpasst. 

Das Missbrauchsopfer 
Masuma* war als kleines Mädchen entführt worden. Als sie zu ihren Eltern zurückkam, war sie körperlich und seelisch schwer verwundet. Das hielt ihre Eltern nicht davon ab, sie später als zweite Ehefrau an einen an Besitz und Niedertracht reichen Mann zu verschachern. Somit nahm Masumas Leiden seinen weiteren Verlauf. Tagtäglich musste sie verbale Tiraden ihres Ehemannes und dessen erster Frau über sich ergehen lassen. Der Mann trichterte ihr unaufhörlich ein, sie könne sich glücklich schätzen, überhaupt von ihm gekauft worden zu sein, obwohl sie als Frau nutz- und wertlos sei und niemand sie hätte haben wollen. Masumas Persönlichkeit war zerstört, für Glücksgefühle kannte sie keinen Anlass.

Im vergangenen Jahr kam sie zu uns zum Training. Damals war sie verschlossen wie eine Auster, brachte nicht ein einziges Mal ein Lächeln zustande. Lesen konnte sie nicht, und mit ihren 29 Jahren war sie überzeugt, über ihre Blütezeit hinaus zu sein. Wir setzten alles daran, ihr besonders viel Liebe zu geben und machten ihr Mut, lesen zu lernen. 

In diesem Jahr taucht sie wieder auf – und begrüsst uns mit einem Lächeln und einer Umarmung. Stolz berichtet sie, dass sie jetzt einen Alphabetisierungskurs besucht. Im Verlauf des Trainings macht sie Fortschritte in der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit, erlebt Heilung. Sie öffnet sich und erwähnt, wie sehr sie sich von ihren Eltern, dem Kidnapper und ihrem Ehemann betrogen gefühlt hatte. Und sie bittet uns, auch zu beten, dass ihre Eltern und ihr Bruder zu dieser Freiheit durchdringen können, die sie gefunden hat.

*Alle Namen zur Sicherheit geändert