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Sibirien: Unvergessliche BegegnungenMongolei: Aus dem Sumpf gezogen

Unter dem Zepter Dschingis Khans herrschte die Mongolei einst über weite Teile Zentralasiens bis hin zum Norden Chinas. In neueren Zeiten jedoch kommt das Steppenland nicht vom Fleck.

Die Mongolei, einstiges Vorzeigeobjekt der Sowjetunion, ist nach dem Ende des Kommunismus wirtschaftlich kollabiert. Korruption und Vetternwirtschaft füllen nun das Vakuum. Zudem herrschen im Land, das von der Nutztierhaltung lebt, im Winter solch extreme Minustemperaturen, dass das Vieh schon mal im Stehen einfriert.

Arbeitslos im Ballungsraum
Wer im dünn besiedelten Staat – zwei Einwohner pro km2 – der Armut entfliehen will, zieht in die Hauptstadt Ulaanbaatar. Hier lebt ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Die Hoffnung auf Arbeit zerschlägt sich rasch, dafür machen vornehmlich Männer Bekanntschaft mit dem Erzeugnis der Wodka-Industrie. Frustriert und ohne Perspektive verfallen sie dem Alkohol, schlagen ihre Frauen, erzeugen familiäre Probleme. Diese Leute haben keinerlei Antrieb mehr, etwas an ihrer Situation zu ändern.

Erfolgsquote: hoch
Das Team unserer Partnerorganisation CLAIM Mongolia hingegen ist äußerst motiviert. In unseren zwei Lebenszentren konnte es bereits einige hundert Leute aus dem Sumpf von Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und Gewalt herausholen. »Wir nehmen Familien auf und leiten sie an, zu normalen Lebensformen zurückzufinden«, erklärt unsere Projektleiterin Degi. »Wenn sie dann so weit sind, schenken wir ihnen als Existenzgrundlage ein Hauszelt sowie ein kleines Grundstück, wo sie ihr Ger aufstellen können. Und wir bringen sie mit einer christlichen Gemeinde in Verbindung.« Kaum eine Familie, die nicht den Sprung schafft. Soziale und geistliche Hilfe laufen zusammen. Die meisten Aufgenommenen finden zum Glauben.

Nähen, essen, Ruhe finden
Nebst anderen Besonderheiten bieten die Lebenszentren Nähkurse an, die auch außenstehenden Frauen offenstehen. Solche, die unter häuslicher Gewalt leiden, finden beim Nähkurs Unterschlupf: »Sie können hier übernachten, um den Prügeln ihrer Männer zu entkommen«, so Degi. »Oft bringen sie ihre Kinder mit, weil hier auch eine nahrhafte Suppe auf den Tisch kommt. Zuhause müssen sie in der Küche allzu oft nur mit Wasser und Mehl auskommen. Denn ihre Männer schaffen es immer wieder, das Wenige, das noch vorhanden ist, in Hochprozentiges zu verwandeln.«

Traum verloren, Talent gefunden
»Eigentlich hat Jantsal, zweifache Mutter, mit Nähen gar nichts am Hut. Warum sollte sie? Die junge Frau schreibt leidenschaftlich gern und will Journalistin werden. Mit einem Studium kommt sie ihrem Traum sehr nahe. Auch der Familienwunsch erfüllt sich. Alles läuft wie am Schnürchen, bis ihr Mann dem Wodka erliegt und das Zuschlagen im Rausch zur Gewohnheit wird. Die Ehe zerbricht. Die Alleinerziehende sucht vergeblich Arbeit, denn auch in der Mongolei ist ein Hochschulabschluss kein Garant für einen Job. Doch als Teilnehmerin eines unserer Nähkurse entpuppt sich die vermeintlich Unbegabte als wahres Talent: Jantsal ist geschickt im Umgang mit Nadel, Stoff und Maschine. Die Handarbeit macht ihr Freude und gibt ihr Sinn und Perspektive.«