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Thailand: Voller Einsatz für Karen und MokenThailand: Voller Einsatz für Karen und Moken

Die stark zersiedelten Bergdörfer mit sehr wenig Infrastruktur kann man nur über holprige Strassen und unwegsames Gelände erreichen. Erdrutsche und Überschwemmungen tragen dazu bei, dass es im Schneckentempo vorwärts geht.

Im Norden Thailands lebt der Bergstamm der Karen. Zahllose Hügel und dichter Wald, soweit das Auge reicht.

Hilfreiche Freundschaften
Mittendrin liegt Chiang Mai. In der mittelgrossen Stadt ist unser Partner, die Rain Tree Foundation, zuhause. Die Stiftung kümmert sich um Kinder aus schwierigen Verhältnissen: missbrauchte und vernachlässigte Jungen und Mädchen aus bitterarmen Familien, die für die Schule kein Geld übrig haben. Durch persönliche, über die Jahre gepflegte Beziehungen zu Christen aus lokalen Gemeinden erfahren unsere Projektleiter von denen, die in ihren abgeschotteten Dörfchen Hilfe brauchen. Projektleiter Ralf: »Oft sind es die Pastorenfrauen, die über die sozialen Nöte im Dorf Bescheid wissen. Sie kennen die Menschen, denen es wirklich schlecht geht«.

Hausaufgaben und Hühner
Bei Härtefällen wird gemeinsam geschaut, was für das Kind am besten ist. Wo immer möglich bleibt es in seiner Umgebung, und wir unterstützen die Familie. Oder es kommt bei Verwandten unter, und eine Bezugsperson aus der Gemeinde schaut regelmässig nach dem Kind. Wären beide Lösungen problematisch, wird es in eines unserer fünf Kinderheime aufgenommen, wo 300 Kinder ein liebevolles Zuhause gefunden haben. Hier leben die Kids zusammen wie eine Grossfamilie und jeder trägt seinen Teil bei. Die Kinder füttern die Hühner, decken den Tisch, fegen den Platz oder kümmern sich um den Garten. Je zwei Ehepaare führen ein Heim, kochen, waschen und helfen bei den Hausaufgaben. Unsere Schützlinge besuchen die lokale Grundschule oder die Oberstufe im nächstgrösseren Ort. »Wegen der regelmässigen Betreuung schreiben viele unserer Kinder gute Noten«, sagt Ralf, »und gute Zeugnisse werden vom Staat mit Stipendien für weiterführende Schulen belohnt«.

Zukunft statt Zwangsheirat
Damit die Teenager, die eine Lehre oder ein Studium beginnen, weiterhin in einem christlichen Umfeld leben können, steht ihnen nördlich von Chiang Mai das Studentenheim der Rain Tree Foundation offen. Es gibt aber auch Jugendliche, die anderswo besser aufgehoben sind. Ralf erzählt: »Vor kurzem wurde ein 17-jähriges Mädchen aus einem Bergstamm von einem Gleichaltrigen vergewaltigt. Nun wollen die Familien, dass die beiden heiraten. Die junge Frau will aber ihren Vergewaltiger nicht als Ehemann. Sie möchte lieber eine Ausbildung zur Buchhalterin absolvieren. Wir konnten sie an eine Missionsgesellschaft
vermitteln, die darauf spezialisiert ist, junge Frauen in solchen Situationen aufzunehmen. Dort ist sie gut aufgehoben, kann einen Beruf erlernen, erlebt Liebe und erhält eine gute Traumabehandlung.

Staaten- und rechtlos
Die Moken sind Seenomaden. In ihren Booten gondeln sie in den Gewässern der Andamanensee und leben von der Fischerei. Zur Monsunzeit gehen sie an Land auf kleinen Inseln, welche der Grenze zwischen Thailand und Burma vorgelagert sind. Sie sind staatenlos: keine Geburtsurkunde, kein Ausweis, keine Nationalität. Das macht sie zu »Freiwild«. Immer wieder werden Männer von Seefahrern entführt und zu Sklavenarbeit gezwungen. »Niemand vermisst sie – sie sind ja weder Thailänder noch Burmesen«, so Ralf. »Dann kommen sie im besten Fall ein oder zwei Jahre später wieder zurück. Die Frau hat vielleicht schon einen anderen Mann, es gibt Streit, die Familie zerbricht.« Wird ein junges Mädchen vergewaltigt, was nicht selten vorkommt, dann darf es wegen fehlender Staatsbürgerschaft weder eine Anzeige erstatten noch sich im Krankenhaus behandeln lassen. Die Seenomaden sind billige Arbeitskräfte. Selbst wenn ein Jugendlicher eine Berufsschule abschliesst, gibt es für ihn als Staatenlosen kein Zertifikat.

Eine Adresse muss her
Die Rain Tree Foundation erhielt von der Regierung die Erlaubnis, auf drei Inseln je ein Stück Land zu erwerben. Dort wurden ein Dorf und ein Kindergarten gegründet und die Wasserversorgung sichergestellt. Die lokalen Regierungsschulen übernahmen einige Jahre später die Kindergärten. Die Rain Tree Foundation hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Moken eine Staatsbürgerschaft zu vermitteln. Sie pflegt gute Kontakte zur Einwanderungsbehörde. Das hilft weiter. Bereits 70% der Seezigeuner, die in diesen drei Dörfern wohnen, haben die thailändische Staatsbürgerschaft erhalten.

Drei unserer Karen-Kinder
Montree (7) lebt mit seiner Familie in einem kleinen Dorf. Es sind einfache Bauern ohne eigenes Land. Weil wir sie unterstützen, muss Montree nicht mitarbeiten, um das Familieneinkommen aufzubessern, sondern kann den Kindergarten besuchen. Unser Mitarbeiter versorgt den Jungen mit Kleidern und Lernmaterialien. In regelmässigen Abständen schaut er bei Montree vorbei, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist.

Apichat (8) besucht heute die 1. Klasse in der Dorfschule. Er ist gesund, aktiv und ein schlauer Bursche. Ohne unsere finanzielle Hilfe könnte er nicht zur Schule gehen, sondern müsste mit seinen Eltern als Tagelöhner arbeiten. Trotzdem würde der Verdienst nicht für drei tägliche Mahlzeiten reichen. Die Eltern sind chronisch krank und sehr arm. Sie leben in einer Hütte, in der sie
nur geduldet sind, haben weder fliessendes Wasser noch Strom.

Pongsak (18) hat vor kurzem eine Technikerschule abgeschlossen und bereits einen Arbeitsplatz in Aussicht. Seine Eltern sind vor langer Zeit
gestorben; Ursache unbekannt. Der Junge lebte viele Jahre in unserem
Kinderheim. Dort wurde er auch getauft. Heute besucht er regelmässig eine lokale Gemeinde. Er sieht seiner Zukunft mit Freude entgegen.