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syrien umkehrerGriechenland: Die junge Kurdin

Misshandelt und verkauft kommt sie wie ein Häufchen Elend in Griechenland an - und findet neue Hoffnung.

Ängstlich sitzt sie in der dunklen Ecke, die Augen besorgt auf die Tür gerichtet. Die Knie angezogen, bereit, sich einzuigeln, falls Gefahr aufkommen sollte. Doch bei uns ist sie in Sicherheit. Wachsame Augen beobachten die Strasse vor dem Haus, und drinnen ist immer jemand, der sie schützen wird.

Auf der Flucht
Eine Mitarbeiterin hat die ca. 30-jährige verängstigte Frau spät am Abend vor dem Haus angetroffen. Die Frau bemerkt, dass unsere Mitarbeiterin Persisch spricht und wendet sich an sie: »Bitte, helfen Sie mir. Ich brauche ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen. Schutz.« Die Mitarbeiterin erkennt sofort, dass die Notlage echt ist und nimmt die Bittstellerin ins Haus. Die Tür hinter den beiden fällt ins Schloss. Die Frau atmet auf. Stockend berichtet sie, dass sie soeben einem Mann entkommen ist, der sie ein Jahr lang gefangen gehalten hat. »Er ist jetzt auf der Suche nach mir und wird mich totschlagen, wenn er mich findet.« Anfänglich bringt sie kaum den Mund auf und verkriecht sich in besagter Ecke, oder wenn mehrere Leute im Raum sind, hinter einem Vorhang. Erst nach und nach erfahren wir ihre herzzerreissende Geschichte.

Sexsklavin
Als 12-Jährige zwangsverheiratet, wurde sie nach der Geburt ihres ersten Kindes geschieden, weil ihr drogensüchtiger Mann sie laufend verdrosch. Jahre später wollte ihr Vater sie erneut an einen Mann verschachern – an einen 90-Jährigen. Sie floh, schlug sich zu Fuss in den Irak durch. Von dort folgte sie einem Schlepper nach Griechenland, der ihr vorgaukelte, sie zu heiraten. Doch statt der erhofften Romanze wartete ein neues Martyrium auf sie. Der Mann hielt sie in einem Raum eingesperrt und missbrauchte sie als seine Sexsklavin. Sie hatte keinen Kontakt zur Aussenwelt, durfte das Haus nicht verlassen. Nur zu Behördengängen wurde sie mitgenommen, um Papierkram zu erledigen und Geld zu besorgen. Doch an einem Abend packte sie die Gelegenheit zu fliehen und strandete vor unserem Haus. »Zufällig« unterhielt sich unsere Mitarbeiterin draussen lautstark mit einer anderen Iranerin.

Neue Hoffnung
Jetzt ist die junge Frau bei uns, hört die gute Nachricht, erlebt, wie andere Verzweifelte verändert werden, Mut schöpfen, Hoffnung auf eine bessere Zukunft gewinnen. Und sie taut von Tag zu Tag mehr auf. Noch verlässt sie nur in Begleitung von mehreren unserer jungen Männer das Haus, wohlwissend, dass ihr Peiniger ihr auflauert, um sie umzubringen.

Ein halbes Jahr später kann ich es kaum fassen, dass die junge Frau dieselbe Person ist, die sich anfänglich hinter dem Vorhang verkrochen hatte. Das erste scheue Lächeln, das sich nach Monaten auf ihr Gesicht geschlichen hatte, ist ein strahlendes geworden. Ihr Lachen, ihr Singen klingt jetzt durchs ganze Haus! Sie hat sich zu einer bildhübschen jungen Frau gemausert, die sich zunehmend in die Gemeinschaft einbringt und immer mehr an Sicherheit zulegt. Doch sie steckt nach wie vor in Lebensgefahr, denn ihr Sklavenhalter stellt ihr weiter nach. Deshalb haben wir uns um Papiere für sie bemüht, um ihr die Ausreise in ein anderes europäisches Land zu ermöglichen.

Heute lebt sie unter einem anderen Namen in Sicherheit, ist in einer christlichen Gemeinde gut aufgehoben und glücklich.