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indien tatort bildfolgeIndien: Zurück zum »Tatort«

Nachhaltig ist, was sich im Nachhinein bewährt - nach dem Rückzug der initialen treibenden Kraft. Wir begleiten Heidi zurück zu einer ihrer Wirkungsstätten auf einem Bergkamm im Nordosten Indiens.

Die Maschine landet pünktlich in Delhi. Von dort geht es weiter nach Siliguri. Ich* bin wieder »zu Hause«.

»Lichtprojekt« 
Um 4 Uhr morgens fahre ich mit Aram und David los, um die beiden weit abgelegenen Shalom-Schulen in den Bergen zu besuchen. 2500 km (!) liegen vor uns. Anfänglich durch dichten Urwald, geht es später durch Bambuswälder und zunehmend schmale und schlechter werdende Strassen. Am dritten Tag erreichen wir Hangrum. Zu meinem Erstaunen erblicke ich eine zivilisatorische Neuerung: eine Stromleitung. Schwächlich zwar, aber ausreichend, um Licht in die Häuser zu bringen.

Es ist Sonntag. Schepperndes Trommeln an die aufgehängte Autofelge ersetzt die Kirchenglocken. Das Novum der elektrischen Beleuchtung inspiriert mich zur Predigt: »Ihr seid das Licht der Welt …« – zuständig dafür, dass das Licht der Liebe Gottes in die Herzen fällt.

Schulprojekt in Hangrum 
Unsere Schule in Hangrum vermittelt inzwischen schon 240 Kindern eine solide Grundlage – im schulischen und geistlichen Sinn. Die grösseren Kids spreche ich zum Thema Heiliger Geist und Dienen an und mache einen Aufruf. Fast alle strömen nach vorn. Tränen fliessen. Sie wollen ein Licht sein für ihr Dorf, wo noch viele Jesus nicht kennen. 

Die 240 Kinder werden von dreizehn Lehrpersonen, einem Hausmeister und drei Köchen im Schulwohnheim betreut. Die Betriebskosten sind lohnende Investitionen. Drei unserer ehemaligen Schüler fungieren hier bereits als Lehrer. Und – was noch mehr Bedeutung hat – viele der Schüler finden zum Glauben an Jesus.

Umkehr eines Okkultisten 
Seit Anfang 2018 sind in Hangrum 18 Menschen Christen geworden. Darunter sechs unserer Schüler und – was mich besonders begeistert – der Dorfälteste mit seiner Frau. Er, bislang zuständig für die Aufrechterhaltung okkulter Kulte, folgt jetzt Jesus nach. Er, der noch bei meinem letzten Besuch zu mir gesagt hatte: »Lass uns Freundschaft pflegen, aber jeder soll seinen eigenen Glauben bewahren.«

Besuch im geteilten Dorf Longwa 
Von Hangrum geht‘s weiter nach Longwa – diesmal »nur« eine Zweitagesreise. Dort angekommen stösst unser Regionalleiter Talimeren aus dem Nagaland zu uns. Sein Vater hatte den Angehörigen des Konjak-Stamms, die bis in die 1960er-Jahre noch gefürchtete Kopfjäger waren, den christlichen Glauben gebracht. Dies, nachdem er selbst eine drastische Transformation erlebt hatte – vom Zauberdoktor zum Jesusnachfolger. 

Mitten im Dorf erhebt sich einem Monument gleich ein Erinnerungsmal an den früheren geistlichen Aufbruch: eine Kirche mit über 1000 Sitzplätzen, die jeden Sonntag prall gefüllt ist.

Eine Strasse teilt Longwa – in zwei Nationalitäten. Die eine Seite gehört zu Indien, die andere zu Myanmar. Wohl nirgends sonst in Asien geht ein Länderübertritt so rasch und unbürokratisch vonstatten.

Für mich ist der Besuch beim Stammeshäuptling ein Muss. Schon für seinen Vater konnte ich beten. Mich freut zu hören, dass der erlauchte Herr die Gottesdienste besucht und sehe ihn am Sonntag anlässlich meiner Predigt dann tatsächlich in der ersten Reihe sitzen. Unter den vielen jungen Leuten ist eine erneute Erweckung ausgebrochen. Gott ist hier offensichtlich am Werk.

Schule im geteilten Dorf 
178 Kids besuchen unsere Schule in Longwa. Bisher war das nur eine Hauptschule. In diesem Jahr sollen noch zwei Klassenräume angebaut werden, damit die Schüler hier auch noch ihre mittlere Reife machen können. Viele Kinder kommen aus dem Nachbarstaat Myanmar. Sie leben im Schulwohnheim, was dann ebenfalls erweitert werden müsste.

Ich habe mir für die Kinder eine besondere Überraschung ausgedacht: zwei Kästen mit Feuerwerk. Dieses wird dann abends zur grossen und ungewohnten Dorfattraktion – ein Superspass für die Kinder und Erwachsenen. Das Festmahl war für uns Gäste dann schon eher gewöhnungsbedürftig: unter anderem Käfer mit Ingwer und geräucherter Frosch. 

Mercy-Home 
Zurück in Siliguri treffe ich die alten Leutchen in unserem Seniorenheim. Sie sind mir sehr ans Herz gewachsen, auch wenn ich manchmal nicht weiss, ob ich über deren Macken lachen oder weinen soll. Bei der vorgezogenen Weihnachtsfeier erhalten alle nach dem Festmahl ein Geschenk, das ich aus Deutschland mitgebracht habe. Ein seltener Höhepunkt für diese dankbaren und bescheidenen Alten, die hier – von ihren Angehörigen verstossen – ihre letzten Tage in Würde verbringen dürfen.

*Heidi, ehemalige Projektleiterin AVC