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indien christen suendenboeckeIndien: Christen als Sündenböcke

Arun*, Evangelist im Norden Indiens, hat am Südfuss des Himalaya 22 Hauskirchen gegründet. Jetzt organisiert er von Zuhause aus die dringende Covid-19-Hilfe. 

Arun, wie sieht es mit der Glaubensfreiheit in eurem Bundesstaat aus? 
Wir unterstehen einem strikten Antibekehrungsgesetz. Wir lassen uns davon zwar nicht einschüchtern, geben aber unseren Glauben mit äusserster Vorsicht weiter. Beschwert sich jemand, wir hätten versucht, ihn unter Zwang zum christlichen Glauben zu bekehren, drohen uns bis zu sieben Jahren Gefängnis und hohe Geldstrafen. Die Christen sind seit Langem ein Dorn im Auge der aktuellen Regierungspartei. 

Was hat sich für euch seit der Einführung der Ausgangssperre verändert? 
An manchen Orten in Indien werden die Christen für die Verbreitung des Coronavirus verantwortlich gemacht. Sie werden beschuldigt, Gäste aus dem Ausland eingeladen und so ganze Dörfer angesteckt zu haben. Der Druck auf Christen nimmt zu. In manchen ländlichen Regionen beschränken die lokalen Behörden den Verkauf von Lebensmitteln auf Hindus, Buddhisten und die Animisten. Anonym in der Grossstadt einzukaufen ist wegen der Ausgangssperre nicht mehr möglich.

Wie erlebt ihr diesen Lockdown?
In der Regel legen wir für den Winter Essensvorräte an, nicht aber für den Sommer. Die Entscheidung für den Lockdown ist für alle überraschend gekommen. Plötzlich fahren keine Busse mehr, keine Züge, einfach nichts. Wanderarbeiter haben teils bis zu 500 km zu Fuss zurückgelegt, um in ihre Heimatdörfer zurückzukehren. Besonders hart trifft es die Gastarbeiter aus Nepal: Die Grenzen sind dicht, sie sind pleite und hausen meist in erbärmlichen Blechhütten am Straßenrand. 

Wie helft ihr den Notleidenden in dieser schwierigen Situation? 
Dank der finanziellen Hilfe von AVC haben wir viel Reis gekauft. Es sind gerade die Nepalesen, die von Indern oft wie Sklaven behandelt werden, durch welche wir den Reis zu den Empfängern bringen lassen. Werden sie von Polizisten mit dem riesigen Reissack gesichtet, denken die, sie würden einen Dorfladen in den Bergen beliefern. Die Christen sind äusserst dankbar für die Überlebenshilfe, und sie nehmen die Chance wahr, mit dem Reis auch Gottes Liebe an diejenigen weiterzugeben, die Jesus noch nicht kennen. Auch die Nepalesen sind davon berührt. Danke für eure Hilfe.

Wie organisiert ihr das Gemeindeleben?
Der »Hausarrest« zwingt uns zu noch grösserer Flexibilität. Normalerweise feiern wir Gottesdienst in den Häusern. Jetzt zeigt sich der Wert, dass die einzelnen Christen ihre Bibel kennen. Wir telefonieren viel, machen uns gegenseitig Mut. Mit Gottesdiensten über das Internet sind wir zurückhaltend, weil diese Art von Kommunikation kontrolliert werden kann. Wir würden uns einer grossen Gefahr aussetzen. Und übrigens: Unseren Glauben im Untergrund zu leben, ist für uns ohnehin normal.

*Name zur Sicherheit geändert