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Tansania Report 1 2020Äthiopien: Verbrannte Kirchen

Es dauerte nur wenige Minuten, dann lagen drei Kirchen in Schutt und Asche. Mit einem gezielten Angriff wurden in Ejere im Morgengrauen drei Gotteshäuser zerstört.

Unaufhaltsam
Zuerst traf es unseren Partner, die Ethiopian Full Gospel Believers Church (EFGBC), eine indigene Pfingstkirche, die anhaltend wächst. Ihre 2947 Ortskirchen und 8000 Tochtergemeinden sind über das weite Land verteilt. Sie ist inzwischen die zweitstärkste Gemeindebewegung in Äthiopien und wirkt auch an entlegensten Orten. Das ist eine für uns perfekte Partnerschaft, denn auch wir (be-)suchen gern die bisher unerreichten Völker. Dort gründet AVC Gemeinden, trainiert Leiter, begegnet der physischen Not. Doch der Erfolg der EFGBC ruft Widerstand auf den Plan.

»Friendly fire«
Überfälle von muslimischer Seite sind üblich, aber es ist schon tragisch, wenn Menschen, die sich Christen nennen, christliche Kirchen attackieren. Die Ejere Full Gospel Believers Church ist eine blühende Ortsgemeinde mit 350 Mitgliedern in Nordäthiopien, wo die meisten Kirchen koptisch-orthodox sind. Und von diesen ging der Angriff aus. In der orthodoxen Kirche gibt es Mitglieder, die um ihren Einfluss fürchten und selbst vor Verbrechen nicht zurückschrecken, um die evangelikalen Kirchen zum Scheitern zu bringen. Gott sei Dank kamen bei den Überfällen keine Menschen ums Leben. Doch das Gotteshaus samt Inventar ist in Flammen aufgegangen.

Feindlicher Beschuss
In West Hararghe sind die Gangesso Gebriel Kirche und eine ihrer Tochtergemeinden Opfer aggressiver Verfolgung geworden. In der Nacht kamen organisierte Banden und brannten gleichzeitig beide Kirchengebäude nieder. In dieser Region mit 98% Muslimen arbeitet die Ortsgemeinde effektiv. Sie hat bereits etliche Tochtergemeinden gegründet, und viele Menschen wurden mit der guten Nachricht erreicht.
Vorfälle wie diese greifen in Äthiopien um sich.
Aufgeben? Keine Option. Derzeit feiern die Christen in Ejere ihren Gottesdienst in einem Provisorium aus Wellblech. Die Mitglieder der Gangesso Gebriel Kirche treffen sich in Privathäusern. Die Gemeinden geben nicht auf und planen, ihre Gotteshäuser wieder aufbauen, zum Teil größer als sie zuvor gewesen sind. Die Kosten dafür belaufen sich pro Gemeindehaus auf rund 30 000 EUR.

Feuer statt Feier zum Neujahrstag
Äthiopischer Neujahrstag, 11. September 2010. Christen aller Konfessionen bereiten in Senbete Sinkile gemeinsam eine Feier mit Gottesdienst und einem Festmahl vor. Auch muslimische Kinder haben sich unter die Vorbereitungsteams gemischt – sehr zum Missfallen von deren Eltern. Sie zerreißen einen Koran und schieben die Tat den Christen in die Schuhe. Die Situation eskaliert. Erboste Muslime kommen in Scharen, schlagen die Christen, legen Feuer und bringen viele unter falschen Anschuldigungen ins Gefängnis. Allen voran einen Ältesten der Ortskirche, Markos Lagiso. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wird er kurze Zeit später ermordet. Die folgenden sechs Jahre sind geprägt von schweren Christenverfolgungen im ganzen Gebiet. Nicht wenige Christen fliehen, während 16 Kirchen niedergebrannt werden. Neben AVC tragen auch lokale Geldgeber zum Wiederaufbau bei.

Schritte zur Versöhnung
Irgendwie muss es gelingen, zwischen den Nachbarn wieder Vertrauen zu schaffen. Es finden sich zwei »Türöffner«: Ein Projekt für Ziegenhaltung, das sich an Frauen wendet und die Einstellung der lokalen Bevölkerung gegenüber der Kirche verändert. Dann stimmen wir noch einem Patenschaftsprojekt zu.
Zur Registrierung der Schulkinder müssen sich deren Eltern auf dem Gelände der Kirche einfinden. Und sie lassen sich darauf ein! Sie werden herzlich empfangen. Man unterhält sich mit ihnen und ermutigt sie, in ihrer verzweifelten Lage Hoffnung zu schöpfen. Die Schulung der Kinder setzt da ein starkes Zeichen. Übrigens gehört eine der Mütter, die ihr Kind christlichen Lehrern anvertraut haben, zu dem Mördern von Markos Lagisos!

Wir fokussieren die humanitäre Hilfe auf Regionen, wo Christen wegen ihres Glaubens leiden oder es keine christlichen Gemeinden gibt. So auch hier. Diese Arbeit an einem Ort, wo Christen für ihren Glauben einen hohen Preis bezahlt haben, sorgt für Veränderung. Und wir sind überzeugt, dass dadurch viele, die vormals die Christen verfolgt haben, ihren Weg zu Jesus Christus finden werden.