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News 27 KW Griechenland

China: Religionszugehörigkeit "Keine Religion"

Beantwortet jemand in China die Frage nach der Religionszugehörigkeit anders als mit »keine Religion«, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert.

Seit Mitte 2018 ist die Lage von uns Christen – und den meisten Religionsgemeinschaften – weiter verschärft worden.

Gemeinden unter Druck
Die Regierung reaktiviert Methoden, die uns aus den 50er-Jahren sattsam vertraut sind: Christen werden aus der Partei und damit aus der Rentenbuchhaltung entfernt. Jugendliche verlieren ihre Aufstiegschancen wegen des Glaubens ihrer Eltern. Ein Hauskreisleiter wird in der Toilette der Polizeistation (ohne Videoüberwachung) verprügelt und mit der Drohung entlassen: »Das passiert dir jetzt jedes Mal, wenn wir dich erwischen.«

In manchen Provinzen werden Gottesdienste gestört und Einrichtungsgegenstände verbrannt. Kreuze und religiöse Symbole werden aus dem Stadtbild entfernt. Kirchen werden per Dekret für geschlossen erklärt, was Gemeindeglieder nicht davon abhält, trotzdem Gottesdienste zu feiern. Dies wird jedoch stellenweise – zum Teil mit Hilfe von Schlägertrupps – durch die Polizei verhindert. Pastoren und Leiter werden vorübergehend inhaftiert, Vermieter unter Druck gesetzt, Mietverträge mit Kirchen zu kündigen. Brandschutzverordnungen werden zwecks Schliessung von Kirchen missbraucht. Was bleibt übrig, als neue Unterschlupfmöglichkeiten zu suchen und Gottesdienste in ungewöhnliche Randzeiten zu verlegen?

Meine Gemeinde unter Druck
Auch in unserer Stadt hat sich die Situation zugespitzt. Anfang des Jahres sind unsere beiden Gemeindelokale für illegal erklärt worden. Wir sind in ein anderes umgezogen, weil wir unseren bereitliegenden Plan B, die Auflösung der Gemeinde in Hauskreise, noch nicht umsetzen wollen.

Trotz der Kumulation von Sicherheitsproblemen bleibt unser Fokus auf unsere eigentliche Aufgabe ausgerichtet: die gute Botschaft von Jesus weitergeben, die Christen im Glauben weiterführen und zum Dienst formen. Aktuell führen wir zwei Alpha-Kurse durch, einen mit dem Ziel, einen neuen Versammlungsort zu eröffnen. Die Taufe im Mai haben wir auf Anregung des Heiligen Geistes auf den Samstag vorverlegt – und uns dadurch der Missbilligung durch behördliche Besucher am Sonntagmorgen entzogen.

Rote Linien
Indem ich als Ausländer predige, übertrete ich bereits seit Jahren eine von den Behörden gesetzte rote Linie. Weitere offizielle Einschränkungen, bei denen bisher ein Auge zugedrückt worden war, sollen jetzt durchgesetzt werden: Minderjährige dürfen nicht an Veranstaltungen teilnehmen, Parteimitglieder erst recht nicht. Pastoren ohne Absegnung durch die offizielle chinesische Kirche werden nicht anerkannt, gelten als »falsche« Geistliche. Kurz: Wer sich und seine Gemeinde nicht per Unterschrift der offiziellen Kirche unterstellt, muss weg.

Die von den Behörden angewandten Taktiken sind hinterhältig und gefährlich. Regierungsbeamte bemühen sich, Pastoren und Leitern Versprechen abzuringen, die für viele Christen nicht akzeptabel sind. Sie spielen Gemeinden gegeneinander aus, behaupten, die jeweils anderen hätten bereits unterschrieben. Sie säen Misstrauen zwischen Hausgemeinden, versuchen deren Einheit zu zerstören. Sie inhaftieren einzelne Pastoren und Leiter kurzzeitig oder für mehrere Jahre – und haben schon einige spurlos verschwinden lassen. Sie fordern, dass Gemeindelokale mit der Landesflagge und Propaganda geschmückt werden. Wir haben uns dieser Anweisung und der angekündigten Kontrolle durch Umzug entzogen.

Im Prinzip geht es den Behörden bei allen Massnahmen darum, die christliche Lehre und Praxis mit dem chinesischen Sozialismus kompatibel zu machen. China ist gross und die Situation in den einzelnen Provinzen unterschiedlich. Die eindeutige Richtung ist jedoch, dass alle Hausgemeinden innerhalb von zwei Jahren aufgelöst oder der offiziellen Kirche unterstellt werden sollen.

Gemeindeglieder unter Druck
Neben den Pastoren und Gemeindeleitern geraten jetzt erstmals seit Jahrzehnten auch einzelne Gemeindeglieder ins Visier. Arbeitnehmer werden aufgefordert, christlichen Veranstaltungen fernzubleiben. In Personalfragebögen muss die Spalte »Glaubensüberzeugung/Religion« ausgefüllt werden. Wer seinen Haken nicht bei »keine Religion« setzt, riskiert Restriktionen: Jobverlust, Herabstufung in der Position, Streichung der Rentenansprüche. Ich weiss von einigen Lehrern, Ärzten und staatlichen Angestellten, die entlassen worden sind. Besonders hart betroffen sind Parteimitglieder. Christen sehen sich nicht selten auch innerhalb ihrer Familien, in der nicht alle ihren Glauben teilen, vor die Wahl gestellt: Glaube oder Familienfrieden.

Kids und junge Leute unter Druck
Ich habe mitbekommen, dass in einer Stadt 12-jährige christliche Schüler unter dem kollektiven Druck ihrer Lehrer ihren Haken bei »keine Religion« gesetzt haben – und jetzt mit Gewissensbissen kämpfen, ihren Glauben verleugnet zu haben. Lehrer setzen Schüler unter Druck, weil sie und die Schule ihrerseits infolge »falscher« Antworten von Schülern abgestraft werden.
Studenten, die sich als Christen outen, soll in Zukunft das Abschlusszeugnis verweigert werden.

Komme, was da will
In meinen Predigten beleuchte ich zurzeit anhand der Sendschreiben in der Offenbarung und des Buches Daniel Themen wie: Widerstehen in Verführung und Verfolgung. Treu sein bis in den Tod. Überwinden und Verheissungen für Überwinder. Der Herr setzt Herrscher ein und ab und ist am Ende der Sieger. Der Herr lebt. Geborgenheit unter seinem Schutz – komme was da will.

Dabei hoffe und bete ich, dass die positiven Reaktionen auf meine Predigten auch im Ernstfall Bestand haben werden.