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News 27 KW Griechenland

Vietnam: Bis zum Äussersten

Der Druck auf ihn wurde unerträglich, und Selbstmord zum vermeintlich einzigen Ausweg.

Phuc* ist Angehöriger des Volksstammes der Stieng, wo Anbetung von Geistern und Angst vor denselben zur Kultur gehört. Aber nicht (mehr) für Phuc.

Besser als gedacht 
1989 trifft ihn der »Blitz« - die Liebe seines Lebens. Sie entpuppt sich als engagierte Christin aus einer christlichen Familie. Phuc gerät unweigerlich mit weiteren Christen in Kontakt, die ihn überaus angenehm überraschen. Nach der Hochzeit legen dann beide gemeinsam los: »Wir haben unseren Dienst in einem Dorf begonnen, haben die Leute mit der Bibel vertraut gemacht. In uns brannte ein Feuer. Wir haben gesehen, wie Zuhörer Jesus Christus angenommen haben. Wir haben viele Wunder erlebt.«

Schlechter als befürchtet 
In den Jahren 1992-1996 setzt massive Verfolgung ein. Die Handlanger der kommunistischen Regierung machen Druck, fordern von Phuc, sich per Unterschrift von Jesus zu distanzieren. Weil diese Masche nicht funktioniert, brummen sie ihm Strafzahlungen auf. Und weil diese nicht mit Phuc’s Budget vereinbar sind, kommandieren sie ihn zu Arbeitseinsätzen ab. Phuc erinnert sich: »Die Regierungsbeamten haben uns als regierungsfeindliche Rebellen abgestempelt. Dabei wollten wir uns nur treffen, um Gott anzubeten.«

Christ und Selbstmordkandidat 
Die Zunahme der Christen kommt nicht gut an. Die Regierung erhöht den Druck, entfaltet in der Verbreitung von Angst und Schrecken eine teuflische Fantasie. Phuc gesteht:  Der Druck auf ihn wurde unerträglich, und Selbstmord zum vermeintlich einzigen Ausweg. »Der zunehmende Druck hat mich weit über meine Grenzen gebracht. Einmal wollte ich mir das Leben nehmen. Doch dann habe ich mich an die biblische Aussage erinnert, dass ich ein Tempel des Heiligen Geistes sei. Und den zu zerstören, habe ich nicht gewagt und Selbstmordgedanken definitiv abgehakt.«

Unheilige Allianz 
»Nicht nur die Regierung hat Druck ausgeübt, auch meine Verwandtschaft. Der Kratzer in der Ehre meines Vaters, dem Dorfhäuptling, wurde jedes Mal tiefer, wenn die Polizei kam, um seinen Sohn festzunehmen. Also hat er sich mit meinem Schwiegervater verbündet. Und gemeinsam haben sie Front gegen mich gemacht und von mir gefordert, meinen Glauben zu verleugnen. Ich bin Gott, meiner Familie und den Mitgliedern meiner Kirche dankbar, dass sie in dieser Zeit voll zu mir gehalten haben.«

Durchhalten bringt‘s 
In den Jahren 1998-2000 lässt die Verfolgung nach. Die Regierung mässigt ihre Kontrollwut dahingehend, die Kirchenverantwortlichen einmal im Jahr ins Büro zu beordern, um Rechenschaft über die Aktivitäten ihrer Kirche abzulegen. Eine Schikane, die im Vergleich zu vergangenen Zeiten leicht zu ertragen ist.

Heute in – regional unterschiedlicher – relativer Freiheit, schaut Phuc zurück: »Ich denke, die Position meines Vaters als Dorfhäuptling hat es für ihn schwer gemacht, sich für Jesus zu öffnen. Doch schliesslich hat er kapituliert. Und dass ausgerechnet er Christ geworden ist, hat Wellen geworfen: Unter anderen hat es ihm ein Offizier nachgemacht, der schon mal seine Pistole auf mich gerichtet hatte, um mir den Garaus zu machen. Heute sind rund 90% der Dorfbewohner Christen.«

* Name geändert